Autor: Nico
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Low Carb kann sich im Ausdauertraining zunächst wie ein Rückschritt anfühlen: gleicher Lauf, aber höherer Puls, „zähes“ Tempo und im VO2max-Test scheinbar schlechtere Werte. Forschung und Praxisbeobachtungen legen nahe, dass dabei häufig nicht die Grundfitness „verschwindet“, sondern sich kurzfristig Brennstoffverfügbarkeit, Flüssigkeitshaushalt und die Kosten der Energiebereitstellung verschieben. Genau das kann Testergebnisse und das Belastungsgefühl deutlich beeinflussen.
VO2max beschreibt die maximale Menge Sauerstoff, die der Körper pro Minute bei sehr hoher Belastung aufnehmen, transportieren und in der Muskulatur verwerten kann. Dahinter steckt eine Kette aus Herz-Kreislauf-Leistung (z. B. Schlagvolumen), Sauerstofftransport im Blut sowie der Fähigkeit der Muskeln, Sauerstoff in den Mitochondrien zur Energiegewinnung zu nutzen.
Training kann diese Kette langfristig verbessern (z. B. über Kapillarisierung, Mitochondriendichte, Enzymaktivität). Gleichzeitig zeigen Studien und sportphysiologische Modelle, dass ein VO2max-Test in der Praxis auch davon abhängt, ob eine Person die erforderliche hohe Leistung bis an die Ausbelastung aufrechterhalten kann. Wenn die Leistung früh „einbricht“, wird oft auch eine niedrigere Sauerstoffaufnahme gemessen – obwohl die zugrunde liegende aerobe Kapazität nicht im selben Ausmaß verändert sein muss.
Ernährung spielt hier hinein, weil sie die Verfügbarkeit schneller Energie (vor allem Kohlenhydrate) und den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen kann. Das ist kein „Trick“ des Tests, sondern Teil der realen Leistungsfähigkeit unter den gegebenen Bedingungen.
Ein häufiger Knackpunkt ist Muskelglykogen. Bei hoher Intensität ist die Rate der ATP-Bereitstellung entscheidend: Kohlenhydrate liefern Energie schnell. Wenn Glykogenspeicher reduziert sind, kann die Fähigkeit sinken, hohe Intensitäten stabil zu halten oder wiederholt abzurufen (z. B. Intervalle, Endspurt, steile Anstiege).
Das kann dazu führen, dass im Test oder im Training die maximale, durchhaltbare Leistung früher abfällt. In solchen Situationen wird die VO2max nicht zwingend als „physiologisches Maximum“ erreicht, sondern eher als das Maximum, das unter den aktuellen energetischen Bedingungen realisiert werden kann. Das Ergebnis kann wie ein Fitnessverlust aussehen, obwohl es eher eine Verschiebung der Leistungsbegrenzung ist.
Fettadaptation wird häufig als Anpassung verstanden, bei der der Körper bei Belastung mehr Energie aus Fetten bereitstellt und weniger auf Kohlenhydrate angewiesen ist. Studien zeigen, dass eine erhöhte Fettoxidation durch entsprechende Ernährung und Training tatsächlich beobachtbar ist – vor allem bei niedriger bis moderater Intensität.
Die zentrale Einschränkung: Fett liefert pro Liter verbrauchtem Sauerstoff weniger Energie als Kohlenhydrate. Das bedeutet, dass bei gleichem Tempo bzw. gleicher Leistung die „Sauerstoffkosten“ steigen können, wenn der Anteil der Fettverbrennung hoch ist. Bei lockeren Einheiten fällt das oft wenig auf; bei höheren Intensitäten kann es spürbar werden.
Bei sehr hoher Intensität zählt nicht nur, wie viel Energie insgesamt verfügbar ist, sondern wie schnell sie bereitgestellt werden kann. Kohlenhydrate sind hier im Vorteil. Deshalb berichten viele Sportlerinnen und Sportler unter Low Carb von:
Das sind typische Muster, wenn die schnelle Energiebereitstellung limitiert ist – nicht zwingend ein Zeichen, dass die aerobe Basis schlechter geworden ist.
Ein höherer Puls bei gleicher Leistung wird in der Praxis oft beobachtet, besonders zu Beginn einer Low-Carb-Phase. Ein plausibler Mechanismus ist ein veränderter Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt: Mit weniger Kohlenhydraten werden häufig weniger Wasser und Natrium gespeichert. Zusätzlich ist Glykogen in der Muskulatur an Wasser gebunden; sinkt Glykogen, sinkt oft auch dieses gebundene Wasser.
Weniger Blutplasma kann das Schlagvolumen reduzieren. Dann kompensiert das Herz-Kreislauf-System über eine höhere Herzfrequenz, um die gleiche Leistung zu ermöglichen. Subjektiv wirkt das wie „schlechtere Form“, obwohl es (zumindest teilweise) eine Volumen- und Elektrolyt-Komponente sein kann.
Ob Fettadaptation „die Ausdauer“ verbessert, hängt stark davon ab, welche Ausdauer gemeint ist. Ausdauer ist nicht nur VO2max. In vielen Sportarten entscheiden Schwelle, Ökonomie und Pacing darüber, wie schnell eine Leistung über lange Zeit durchgehalten werden kann.
Ein beobachteter Rückgang ist nicht zwangsläufig. Bei konstantem Training kann die aerobe Basis stabil bleiben. Zudem kann das Körpergewicht kurzfristig sinken (z. B. durch weniger Glykogen und Wasser). Dadurch kann der relative VO2max (ml/kg/min) gleich bleiben oder sogar steigen, obwohl der absolute VO2max (L/min) sich kaum verändert.
Wichtig ist die Interpretation: Für Leistung im Wettkampf oder bei spezifischen Zielen ist häufig entscheidend, welche Pace/Watt an der Schwelle oder knapp darunter möglich ist und wie ökonomisch diese Leistung erbracht wird – nicht nur eine einzelne Laborzahl.
Besonders empfindlich reagieren oft Sportarten und Trainingsformen, die regelmäßig über der Schwelle liegen und schnelle Energie wiederholt benötigen. Dazu zählen typischerweise:
In diesen Profilen kann ein streng niedriger Kohlenhydratansatz häufiger dazu führen, dass die Qualität harter Einheiten sinkt. Damit verschiebt sich nicht nur das Gefühl, sondern potenziell auch der Trainingsreiz (weil weniger hochwertige Minuten im Zielbereich zusammenkommen).
Bei niedriger bis moderater Intensität – etwa langen, ruhigen Läufen oder gleichmäßigem Ausdauertraining – kann ein höherer Fettanteil an der Energiebereitstellung gut funktionieren. Auch in Phasen, in denen der Fokus auf Grundlagenausdauer liegt, berichten manche Personen von guter Praktikabilität.
Entscheidend ist dabei meist nicht ein Dogma („immer wenig Kohlenhydrate“), sondern die Passung zwischen Intensitätsprofil, Regeneration und dem, was im Alltag realistisch stabil umgesetzt werden kann.
Leistungsdiagnostik ist sensibel. Ein VO2max- oder Feldtest kann sich verändern, obwohl die zugrunde liegende Leistungsfähigkeit nur gering schwankt. Typische Störfaktoren sind:
Wer Low Carb „testet“, testet häufig gleichzeitig mehrere Variablen. Dann wird aus einem Ernährungsvergleich schnell ein Vergleich der Tagesform.
Für eine fairere Einordnung hilft ein möglichst standardisiertes Vorgehen. In der Praxis sind das vor allem Konstanten rund um Testtag und Vorbereitung:
So lässt sich besser trennen, ob eine Veränderung aus Training/Anpassung kommt oder aus Rahmenbedingungen.
In vielen Trainingssystemen wird Kohlenhydratverfügbarkeit als Werkzeug betrachtet: niedriger in sehr ruhigen Phasen, höher rund um intensive Einheiten oder lange Schwellenarbeit. Studien und Coaching-Praxis diskutieren dieses „Fueling nach Bedarf“, weil damit zwei Ziele besser kombinierbar sein können: solide Trainingsqualität bei harten Reizen und dennoch Reize für Fettstoffwechselanpassungen bei lockeren Einheiten.
Ob ein solcher Ansatz sinnvoll ist, hängt von Sportart, Wochenstruktur, Energiestatus, Regenerationsfähigkeit und persönlicher Verträglichkeit ab. Als Orientierungsrahmen gilt oft: Je mehr Einheiten pro Woche wirklich intensiv sind, desto stärker fällt die Bedeutung ausreichender Kohlenhydratverfügbarkeit ins Gewicht.
Ohne in ein „Therapie“-Denken zu rutschen, lassen sich typische Stolpersteine beschreiben, die in der Umstellungsphase häufig beobachtet werden:
Fettadaptation kann die Energiebereitstellung bei niedriger bis moderater Intensität unterstützen und wird in Studien als reale Anpassung (mehr Fettoxidation) beobachtet. Gleichzeitig zeigen physiologische Grundprinzipien, dass hohe Intensitäten stärker von Kohlenhydraten profitieren, weil sie Energie schneller und mit geringeren Sauerstoffkosten pro Leistung bereitstellen. Deshalb können VO2max-Tests und harte Einheiten unter Low Carb kurzfristig schlechter aussehen, ohne dass die gesamte aerobe Basis „weg“ ist.
Am Ende entscheidet der Kontext: Wer vor allem lange, gleichmäßige Belastungen trainiert, erlebt Low Carb oft anders als Personen mit vielen Intervallen, Sprints oder schwellenlastigen Einheiten. Eine saubere Testmethodik und eine klare Zieldefinition helfen dabei, Veränderungen richtig einzuordnen – besonders, wenn VO2max als Kennzahl mit hoher Intensität verknüpft ist.
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich an deinen Arzt.