Autor: Nico
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Low Carb führt nicht automatisch zu Muskelabbau – auch dann nicht, wenn der Körper über die Glukoneogenese Glukose selbst herstellt. Forschung und Stoffwechselmessungen deuten darauf hin, dass Glukoneogenese vor allem bedarfsgetrieben ist: Der Körper produziert Glukose dann, wenn er sie benötigt, und nutzt dafür mehrere Quellen. Ob Muskelmasse verloren geht, hängt in der Praxis deutlich stärker von Kalorienbilanz, Proteinzufuhr, Trainingsreiz und Regeneration ab als von „wenig Kohlenhydraten“ an sich.
Glukoneogenese (GNG) beschreibt die körpereigene Neubildung von Glukose. Hauptorte sind Leber und – je nach Situation – auch die Niere. Der Prozess ist kein „Fehler“ und kein Sonderprogramm nur für Extremdiäten, sondern ein normaler Bestandteil des Stoffwechsels.
Der Hintergrund ist simpel: Nicht jedes Gewebe kann jederzeit ausreichend Energie aus Fettsäuren oder Ketonkörpern gewinnen. Außerdem gibt es Situationen, in denen Glukose besonders schnell verfügbar sein muss.
Wichtig: Daraus folgt nicht, dass eine kohlenhydratärmere Ernährung grundsätzlich „schlecht“ ist. Es bedeutet nur, dass der Körper einen Mindest-Glukosefluss sicherstellt – über Nahrung, über Glykogen oder über Glukoneogenese.
Glukoneogenese nutzt keine Kohlenhydrate als Ausgangsstoff, sondern andere Bausteine. Die wichtigsten Quellen sind:
Der häufigste Denkfehler: „Aminosäuren = Muskelprotein“. Aminosäuren im Blut können auch aus der Proteinzufuhr stammen. Und selbst wenn Protein abgebaut wird, ist das nicht automatisch ein Netto-Muskelverlust – entscheidend ist die Bilanz aus Muskelaufbau und Muskelabbau über Zeit.
Die Vorstellung „Low Carb → Glukoneogenese → Muskelabbau“ ist zu grob. Studien zeigen, dass Glukoneogenese eher nach dem Prinzip Nachfrage statt Angebot funktioniert: Der Körper erhöht die Glukoseproduktion vor allem dann, wenn der Bedarf hoch ist – nicht automatisch, weil viel Protein gegessen wird.
Das ist ein wichtiger Punkt, weil häufig behauptet wird, Protein werde „einfach in Zucker umgewandelt“. In der Praxis ist der Stoffwechsel stärker reguliert: Energiezustand, hormonelle Signale, Trainingsbelastung und verfügbare Substrate beeinflussen, welche Quellen die Glukoneogenese nutzt und wie viel produziert wird.
Außerdem stammt ein relevanter Anteil der „neu gebildeten“ Glukose aus Recycling (z. B. Laktat). Das relativiert die Angst, der Körper müsse dafür zwangsläufig Muskelgewebe „verheizen“.
Wenn Menschen unter Low Carb Muskelmasse verlieren, liegt die Ursache häufig nicht an der Glukoneogenese selbst, sondern an einer Kombination aus mehreren Stressoren. Besonders relevant sind:
Kohlenhydrate sind dabei häufig ein Leistungs- und Komfortfaktor: Sie können Training erleichtern, Glykogen auffüllen und hohe Trainingsumfänge unterstützen. Sie sind aber nicht der einzige „Schutzschild“ gegen Muskelverlust.
Low Carb wird eher dann problematisch, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen. Typische Konstellationen, bei denen das Risiko für Muskelverlust steigen kann:
Praktisch bedeutet das: Nicht „Low Carb“ ist der Auslöser, sondern häufig Low Carb + Defizit + zu viel Volumen + zu wenig Regeneration.
Glykogen ist gespeicherte Glukose in Muskeln und Leber. Bei kohlenhydratärmerer Ernährung sind diese Speicher oft niedriger – besonders zu Beginn. Das kann zwei Effekte haben:
Relevant wird es vor allem dann, wenn die Trainingsleistung dauerhaft sinkt. Denn weniger Leistung kann bedeuten: weniger effektiver Trainingsreiz über Wochen.
Der Körper befindet sich ständig im Proteinumsatz: Muskelprotein wird fortlaufend aufgebaut und abgebaut. Muskelverlust entsteht erst dann, wenn über längere Zeit Abbau > Aufbau ist.
Bei Low Carb kann die Glukoneogenese theoretisch mehr Aminosäuren nutzen – aber in der Praxis hängt das stark von Kontextfaktoren ab. Forschung beobachtet, dass der Körper auch über Laktat und Glycerol viel abdecken kann. Zudem können Ketonkörper (bei sehr niedrigen Kohlenhydraten) den Glukosebedarf bestimmter Gewebe reduzieren, was den Druck auf die Glukoneogenese senken kann.
Der häufig überschätzte Teil ist die Idee, dass Glukoneogenese automatisch „Muskel in Zucker“ verwandelt. In vielen realen Szenarien ist das Risiko eher an zu wenig Energie, zu wenig Protein und zu wenig Trainingsqualität gekoppelt.
Bei einer ketogenen Ernährung produziert die Leber Ketonkörper aus Fettsäuren. Diese können u. a. dem Gehirn und anderen Geweben als Energiequelle dienen. Dadurch sinkt der Glukosebedarf im Vergleich zu einer Situation ohne stabile Ketose häufig teilweise – ein Mindestbedarf bleibt jedoch bestehen (z. B. für rote Blutkörperchen).
Für Training bedeutet das oft: Maximalkraft kann bei manchen Personen gut funktionieren, während sehr glykolytische Belastungen (viele Wiederholungen, viele Sätze, kurze Pausen) bei anderen schwerer fallen. Das ist kein Werturteil, sondern eine Frage des Energiesystems und der individuellen Anpassung.
Wenn das Ziel Muskelaufbau oder Muskelerhalt ist, sind die wichtigsten Stellschrauben meist nicht „mehr oder weniger Glukoneogenese“, sondern Rahmenbedingungen, die Muskelproteinbilanz und Trainingsqualität beeinflussen.
In der Sporternährung wird häufig ein Bereich von etwa 1,6–2,2 g Protein pro kg Körpergewicht pro Tag diskutiert – abhängig von Trainingsstatus, Ziel (Erhalt vs. Aufbau) und Kaloriendefizit. Studien zeigen, dass eine ausreichende Proteinzufuhr den Muskelerhalt in Diätphasen unterstützen kann.
Für reinen Muskelerhalt ist Erhaltungsniveau oft leichter als ein großes Defizit. Für Muskelaufbau wird in der Regel ein leichtes Kalorienplus oder mindestens Erhalt diskutiert. Viele unterschätzen unter Low Carb ihre Unterversorgung, weil Sättigung hoch sein kann.
Wenn Low Carb die Leistung im Training spürbar drückt, kann das langfristig wichtiger sein als jede Stoffwechseltheorie. Sinnvolle Optionen sind z. B. Anpassungen bei Volumen, Pausen, Übungsauswahl oder Periodisierung, damit mechanische Spannung und Progression erhalten bleiben.
Für manche funktioniert ein strategischer Einsatz von Kohlenhydraten rund ums Training oder an besonders harten Trainingstagen. Ziel ist dabei nicht „ständig hin und her“, sondern planbar dort zu unterstützen, wo Glykogen und Leistung am meisten zählen.
Die Waage allein ist ein schlechter Marker, weil Wasser/Glykogen stark schwanken können. Praxisnähere Indikatoren sind:
Wenn Kraft und Umfänge bei stabilem Training über längere Zeit fallen und gleichzeitig die Energiezufuhr niedrig ist, spricht das eher für ein Gesamtproblem aus Defizit/Regeneration/Protein – nicht für „Glukoneogenese als Feind“.
Der Körper kann über Glukoneogenese Glukose aus Aminosäuren herstellen – aber das bedeutet nicht automatisch Muskelabbau. Glukoneogenese ist ein normaler, bedarfsorientierter Prozess und nutzt mehrere Quellen (Laktat, Glycerol, Aminosäuren). Ob Muskelmasse verloren geht, wird in der Praxis meist stärker von Kaloriendefizit, Proteinzufuhr, Trainingsleistung und Regeneration bestimmt. Low Carb kann daher funktionieren, wenn diese Grundlagen stimmen und die Trainingsqualität langfristig erhalten bleibt.
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich an deinen Arzt.